Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Außenpolitik

23.03.2017 - Artikel

Stand: März 2018

Prioritäten

Der argentinische Präsident Mauricio Macri hatte gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft im Dezember 2015 erklärt, gute Beziehungen zu allen Ländern anstreben zu wollen. Sichtbar setzte er dabei auf die Wiederbelebung der Beziehungen zu Europa und den USA und eine Rückführung Argentiniens auf die Weltbühne. Hierzu zählte auch die schnelle Lösung des Konflikts mit den Hedgefonds in den USA im April 2016, durch die die Rückkehr des Landes auf die internationalen Finanzmärkte erzielt wurde. Priorität genießt für die Macri-Regierung ferner das Verhältnis zu den Ländern der Region, insbesondere zu Brasilien. Die Verfolgung des auf die Falklandinseln/Malwinen erhobenen Souveränitätsanspruchs bleibt von der Verfassung vorgegebenes Ziel argentinischer Außenpolitik, steht allerdings einer Zusammenarbeit mit Großbritannien in anderen Fragen derzeit nicht im Wege. 
In diesem Jahr steht außenpolitisch die G20-Präsidentschaft im Mittelpunkt, die Argentinien im Dezember 2017 von Deutschland übernommen hat. 
Hochrangige Besuche unter anderem aus den USA, Frankreich, Italien, Israel und der EU haben die Neuorientierung der argentinischen Außenpolitik sichtbar unterstrichen. Präsident Macri reiste im Juli 2016 nach Berlin und nahm im August 2017 am G20-Gipfel in Hamburg teil. Bundeskanzlerin Merkel besuchte Buenos Aires im Juni 2017. Seine erste Auslandsreise 2018 führe Präsident Macri im Januar nach Russland und Frankreich. Auch nahm er am Weltwirtschaftsforum in Davos teil.

Regionale und multilaterale Zusammenarbeit

Die Beziehungen zu den Nachbarn in der Region, insbesondere zu Brasilien, Chile und Uruguay sowie Fragen der regionalen Zusammenarbeit - vor allem in Mercosur und UNASUR - gehören zu den klassischen außenpolitischen Prioritäten Argentiniens. Macri strebt auch eine Kooperation von Mercosur und Pazifik-Allianz an.

Argentinien ist Mitglied in der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sowie in der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC), deren Mitglieder alle 33 amerikanischen Staaten mit Ausnahme der USA und Kanadas sind.

Argentinien ist aktives Mitglied der Vereinten Nationen (Truppensteller im Rahmen der VN-Mission MINUSTAH in Haiti). Es war 2013-2015 im VN-Menschenrechtsrat (erneute Kandidatur für 2019-21) und 2013/2014 als nichtständiges Mitglied im VN-Sicherheitsrat vertreten.

Südamerika

Brasilien ist politisch und wirtschaftlich der wichtigste Partner Argentiniens. Mit Brasilien bestehen vertragliche Mechanismen der Koordinierung und Zusammenarbeit (wie auch mit Chile). Es finden regelmäßige bilaterale Treffen der Staatschefs und Fachminister statt – derzeit aufgrund des Wahljahres in Brasilien etwas weniger häufig.

Im Verhältnis zwischen Argentinien und dem kleinen Nachbarn Uruguay hat die neue Regierung in Buenos Aires durch einen raschen Besuch und klare Worte den Willen kundgetan, die in den letzten Jahren vor allem im Zusammenhang mit dem Betrieb einer Zellulosefabrik am Grenzfluss Río Uruguay und der für Uruguay wichtigen Vertiefung des Martín García-Kanals im Río de la Plata aufgetretenen Irritationen durch Dialog und Zusammenarbeit zu überwinden.

Die Beziehungen zu Venezuela hatten sich seit dem Amtsantritt von Néstor Kirchner 2003 intensiviert. Argentinien wurde ein aktiver Befürworter des Beitritts Venezuelas zum Mercosur und kooperierte mit Venezuela in wirtschafts- und energiepolitischen Fragen. Nach der Übernahme der Amtsgeschäfte durch Präsident Macri hat es demgegenüber sehr kritische Äußerungen der beiden Regierungen übereinander gegeben. Im Streit um den Mercosur-Vorsitz im zweiten Halbjahr 2016 sowie dem Ausschluss Venezuelas aus der Regionalgemeinschaft hat die argentinische Regierung deutliche Positionen gegen Caracas bezogen. Argentinien gehört der Gruppe von Staaten der Region an (Lima-Gruppe), die den Rückkehr zur demokratischen Ordnung in Venezuela fordern und die verfassungsgebende Versammlung nicht anerkennen.

China, Indien, Russland

Mit Blick auf die angestrebte Handelsdiversifizierung haben sich in den vergangenen Jahren die Beziehungen Argentiniens zu China und Indien sowie zu Russland verstärkt. China ist nach Brasilien inzwischen der zweitwichtigste Handelspartner Argentiniens. Die von der Vorgängerregierung abgeschlossenen Verträge mit China und Russland sind von der neuen Regierung inhaltlich überprüft und ggf. angepasst, allerdings nicht gekündigt bzw. revidiert worden. Mit beiden Ländern sind wichtige Infrastrukturprojekte geplant. Im Mai 2017 besuchte Präsident China und Japan; im Januar 2018 Russland. Auch die substantielle russische Unterstützung bei der Suche nach dem verschollenen U-Boot „San Juan“ hat zu einer Annäherung beigetragen.

USA

Für das Verhältnis zu den USA hatte die neue argentinische Regierung eine deutliche Belebung angekündigt, die nach dem Besuch des damaligen US-Präsidenten Obama in Argentinien im März 2016 auch sogleich einsetzte. Präsident Macri bemühte sich nach Amtsantritt Trumps, daran anzuknüpfen und reiste im April 2017 in die USA. Nach einem Besuch von US-Vize Mike Pence kam zuletzt Außenminister Tillerson im Februar nach Argentinien. Beide US-Politiker hoben die Entwicklung Argentiniens unter Präsident Macri positiv hervor.
Die USA sind für Argentinien ein wichtiger Absatzmarkt. Abgesehen von der Restriktion des Imports von argentinischen Zitronen und Biodiesel in die Vereinigten Staaten entwickeln sich auch die Wirtschaftsbeziehungen im Allgemeinen gut. 

Europa

Die neue argentinische Regierung sucht aktiv die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union und setzt sich für den Abschluss eines Assoziierungs-Abkommens zwischen EU und Mercosur ein.

Von den europäischen Ländern haben Italien und Spanien auf Grund ihrer Auswandererströme nach Argentinien traditionell eine besondere Stellung. Ein Staatsbesuch Präsident Macris in Spanien im Februar 2017 zeigte die Erholung der Beziehungen nach der Überwindung der Belastung des Verhältnisses 2012 / 2013 durch die Enteignung einer spanischen Firma in Argentinien.

Erstmals in seiner Amtszeit besuchte Präsident Macri im Januar 2018 Paris. Frankreich gehört zu den traditionell engen Partnern Argentiniens, besonders eng ist der Austausch in Wissenschaft und Kultur.

Das Verhältnis zu Großbritannien ist durch den Souveränitätskonflikt um die Falklandinseln/Malwinen und andere Gebiete traditionell angespannt. Argentinien hatte in den letzten Jahren seinen Souveränitätsanspruch auf die umstrittenen Inseln mit Nachdruck verfolgt und hatte gesetzliche Maßnahmen gegen Erdölexplorationen britischer und anderer internationaler Unternehmen in den Inselgewässern getroffen. Die Macri-Regierung hält den in der Verfassung begründeten Anspruch grundsätzlich aufrecht, setzt parallel aber auf Dialog und Zusammenarbeit mit Großbritannien bei Themen von gemeinsamem Interesse und hat hierzu im September 2016 eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, mit der die bilaterale Zusammenarbeit in praktischen Fragen (wirtschaftliche Entwicklung, Direktflüge) „in einem positiven Geist“ intensiviert werden soll. Dieser neue Ansatz wird im argentinischen Parlament z.T. kritisch beobachtet.

Iran

Das Verhältnis zum Iran ist durch einen schweren Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum der AMIA in Buenos Aires aus dem Jahr 1994, bei dem 85 Menschen starben und über 300 verletzt wurden, nachhaltig belastet. Die argentinische Justiz macht unter anderem hochrangige iranische Regierungsbeamte für dieses Attentat verantwortlich, der Iran weist die Anschuldigungen zurück.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen