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Argentinien: Wirtschaft

07.03.2019 - Artikel

Wirtschaftsstruktur

Argentinien ist mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 498 Milliarden US-Dollar (2018) die größte Volkswirtschaft des spanischsprachigen Südamerikas. In Lateinamerika sind lediglich Brasilien und Mexiko wirtschaftlich bedeutender. Argentinien verfügt über eine im Regionalvergleich relativ gut entwickelte Industrie; wichtigste Sektoren sind die Nahrungsmittelindustrie und die Automobilindustrie (u.a. Volkswagen und Daimler), die wesentliche Anteile der Produktion nach Brasilien exportiert.

Die Industrie trägt 26,2% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, es folgen Handel (11,8%), Transport/Kommunikation (9%) und Immobilienwirtschaft (8,6%). Der Beitrag der reinen Land- / Forst- / Fischwirtschaft zum BIP liegt bei 6,4%; allerdings wird geschätzt, dass rund ein Drittel der Arbeitsplätze direkt oder indirekt (zum Beispiel Transport, Verpackung) im Zusammenhang mit der Agrarindustrie stehen. Auch bei den Exporten dominiert der Anteil der Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel (60%). 

Die Außenhandelsquote Argentiniens liegt bei knapp 20% des Bruttoinlandsprodukts (BIP), bei einer Exportquote von 9,2%.

Bei der Einkommensverteilung liegt Argentinien mit einem Gini-Koeffizienten von rund 42 im globalen Vergleich im unteren (also ungleicheren) Drittel, ähnlich wie Uruguay, etwas besser als die Nachbarn Brasilien, Chile, Bolivien und Paraguay. Nach Zahlen des 2016 neu formierten Statistikamtes (INDEC) liegt  die Arbeitslosenquote bei rund 9% (Anteil des informellen Sektors wird auf über 30% geschätzt) und die Armutsquote bei rund 30%.

Argentinien ist Mitglied wichtiger internationaler Wirtschaftsorganisationen wie WTO (Ministerkonferenz fand im Dezember 2017 in Buenos Aires statt), Internationaler Währungsfonds (IWF), Weltbank, G-20 (Vorsitz 2018), sowie auf regionaler Ebene Mercosur und ALADI (Lateinamerikanische Integrationsvereinigung). Eine Mitgliedschaft in der OECD wird angestrebt.

Aktuelle Wirtschaftslage

Mit der Wahl von Mauricio Macri zum Präsidenten Argentiniens im November 2015 hat sich die Grundausrichtung der Wirtschaftspolitik grundlegend geändert. Nach 12 Jahren protektionistischer Politik unter Néstor und Cristina Kirchner setzt die neue Regierung auf Liberalisierung und Weltmarktintegration. Der Start der neuen Regierung wurde durch erhebliche Erblasten der vorangegangenen Regierung (steigende Neuverschuldung, abgeschmolzene Devisenreserven, Einbrüche bei Wachstum, Industrieproduktion, Exporten) und ein international wenig hilfreiches Umfeld (tiefe Rezession beim Haupthandelspartner Brasilien, Zinswende in den USA, Wachstumsrückgang in China) erschwert.

Ende 2015/Anfang 2016 hat die Regierung Macri erfolgreich Devisenbeschränkungen gelockert, Importrestriktionen weitgehend außer Kraft gesetzt, Exportsteuern aufgehoben oder abgesenkt (Soja), das Wechselkursregime vereinheitlicht und den Kurs des Pesos freigegeben (Abwertung um 40%). Im April 2016 gelang zudem eine Lösung des seit Jahren schwelenden Konflikts mit einer Gruppe von US-amerikanischen Privatgläubigern. 

Argentinien steckt Anfang 2019 erneut in einer Wirtschafts- und Finanzkrise. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sackte um 2,4% ab und blieb somit deutlich hinter den ursprünglichen Prognosen (3% Wachstum) zurück. 

Neben anderen Faktoren löste die Anhebung der US Leitzinsen einen Kursverlust des argentinischen Pesos aus. Der Peso verlor innerhalb des Jahres mehr als die Hälfte seines Wertes gegenüber dem US Dollar. Bereits zu Beginn des Jahres korrigierte die Regierung das Inflationsziel von 10% (+/-2%) auf 15%. Letztendlich stellte sich eine Jahresinflation für 2018 von 48,7% ein.

Nur dank eines IWF-Kredits von rund 57 Mrd. USD konnte ein erneuter Zahlungsausfall verhindert werden. In Rahmen des IWF-Programms verfolgt die Regierung derzeit eine Sparpolitik (Reduzierung des Defizits in 2019 von -2,6% auf 0), in der die Zentralbank  das Geldmengenwachstum stark beschränkt, um die Inflation und den Abwertungsdruck auf den Peso zu senken.

Agrar- und Ernährungswirtschaft

Die Landwirtschaft spielt in Argentinien traditionell eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Entwicklung: rund 60 % der Gesamtexporte werden in der Land- und Ernährungswirtschaft erzeugt. Rein rechnerisch kann Argentinien rd. 400 Millionen Menschen ernähren. 

Angesichts der derzeitigen Rezession setzt die Regierung Argentiniens auch dieses Mal wieder auf die heimische Landwirtschaft und eine gute Ernte als Motor für die Wiederbelebung der Wirtschaft und der Exporte. Der Agrarsektor hatte bereits nach Amtsantritt der Macri-Regierung Ende 2015 am stärksten auf den politischen Wandel reagiert und über die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und Ausdehnung der Investitionen einen Anstieg des Wirtschaftswachstums erwirkt. Hiervon profitierte insbesondere auch die Wirtschaftskraft der ländlichen Räume. Negativ wirkt sich dahingegen die Wiedereinführung der Exportsteuer aus, die auch landwirtschaftliche Güter betrifft. Der Agrarsektor leidet ohnehin schon unter einer hohen Steuerlast, die auf rund 60 Prozent beziffert wird und die internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt.

Agrarpolitisch strebt die  Regierung an, die heimische Landwirtschaft von einem überwiegenden Rohstofflieferanten hin zu einem Exporteur hochwertiger Nahrungsmittel zu entwickeln. Dadurch sollen vor allem in den ländlichen Räumen zusätzliche Einkommen und Arbeitsplätze geschaffen werden.

Argentiniens Landwirtschaft ist außerordentlich exportorientiert. Weltweit rangiert Argentinien als der zehntgrößte Agrarexporteur und ist nach Brasilien zweitgrößter Agrarnettoexporteur Lateinamerikas. Um diese Position zu sichern und noch auszubauen, hat die Regierung ein Schwerpunktprogramm „Erschließung neuer Absatzmärkte“ aufgelegt. 

Die Sojabohne ist Argentiniens wichtigste Anbaukultur. Sie wird auf rund 60% der Ackerbaufläche angebaut, bei dem das Direktsaatverfahren überwiegt (Daten für 2018: ca. 18 Mio. ha, Erntemenge ca. 38 Mio. Tonnen ( Daten für 2018: circa 18 Mio. ha, Erntemenge circa 38 Mio. t; Prognose für 2019: 53 Mio. t). Soja ist zudem auch im Export das bedeutendste Produkt des Landes, das insbesondere als proteinhaltiges Futtermittel weltweit nachgefragt wird. Argentinien gehört neben Brasilien zu den weltweit wichtigsten Lieferanten von Sojaschrot/mehl und -öl. Soja wird auch zur Biodieselherstellung verwendet. 

Getreidekulturen, vor allem Mais (2017/18: 43 Mio. t inklusive Futtermittel) und Weizen (2017/18: 18,5 Mio. t) sind ebenfalls von wirtschaftlich herausragender Bedeutung. Argentinien gehört neben den USA und Brasilien zu den weltweit größten Maisexporteuren. Im Weizenhandel hat Argentinien aufgrund der von der Regierung geschaffenen günstigen Voraussetzungen begonnen, seine unter der Vorgängerregierung verlorenen Marktanteile im Weizenexport wieder zurückzuerobern. Nach einer guten Weizenernte rechnen Experten für 2018/19 auch mit einer guten Soja- und einer überdurchschnittlichen Maisernte. 

Die Rindfleischerzeugung profitiert ebenfalls von der Neuausrichtung der Agrarpolitik. Die Entwicklung der Tierzahlen deutet auf eine Erhöhung der Bestände hin. Die Regierung hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Export des heimischen Rindfleischs mittel- bis langfristig zu verzehnfachen, von derzeit 1,1 Mrd. US-Dollar auf 10,5 Mrd. US-Dollar in 2025. 

Während die vorgenannten Zweige der Landwirtschaft international wettbewerbsfähig sind, sind die Milcherzeugung und –verarbeitung sowie die Schweine- und  Geflügelerzeugung derzeit im internationalen Vergleich nur eingeschränkt wettbewerbsfähig. Hier sind vor allem die hohen Produktionskosten, aber auch strukturelle Probleme für die unzureichende Wettbewerbskraft verantwortlich. Dies zu überwinden, erfordert umfangreiche Investitionen. 

Fischereierzeugnisse sowie Obst und Wein  sind ebenfalls in der Erzeugung als auch im Export für das Land von Bedeutung. 

Erwähnenswert ist, dass Argentinien sich im Bereich Agrar- und Ernährungspolitik auch auf internationaler Ebene aktiv einbringt. Die Regierung setzt sich weiterhin für das Zustandekommen eines neuen Assoziationsabkommens zwischen Mercosur und der EU ein. Der für Landwirtschaft zuständige Staatssekretär Etchevehere hat an der XI. Berliner Agrarministerkonferenz sowie am “Global Forum for Food and Agriculture” (GFFA) 2019 teilgenommen. Ein gemeinsames Arbeitsprogramm mit neun Schwerpunkten (u.a. Nachhaltige Landwirtschaft, Tierwohl, Bioökonomie, Anbau nicht-gentechnisch veränderter Ackerkulturen) ist Grundlage für den bilateralen agrarpolitischen Austausch. Darüber hinaus besteht eine Absichtserklärung zur wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit im Bereich Bioökonomie mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie dem argentinischen Forschungsministerium MinCyT. Argentinien hat im Juli 2018 das G20-Agrarministertreffen durchgeführt, an dem für Deutschland Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner teilgenommen hat.

Außenhandel

Haupteinnahmequelle für Devisenzuflüsse sind die Agrarexporte. Die einheimische Industrie benötigt viele importierte Rohstoffe, Zwischenprodukte und Kapitalgüter.

2017 exportierte Argentinien Waren im Wert von 58,4 Milliarden US-Dollar und damit 1,1% mehr als im Vorjahr; davon 39% landwirtschaftlichen Ursprungs, 31% industriellen Ursprungs und 25% Rohstoffe. Auf Basis des harmonisierten Systems (HS-Nomenklatur) entfallen auf Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel (-industrie) 2017 rund 60% aller Ausfuhren (in erster Linie Tierfutter, Getreide, Fette und Öle, Ölsaaten und -früchte, Fleisch und Fleischwaren, Getränke). Industriegüterexporte (vor allem Kfz und Chemie; ohne Agrar- bzw. Nahrungsmittelindustrie) machten 2017 ca. 22% der Exporte aus. 

Die Einfuhren für 2017 beliefen sich auf 66,9 Milliarden US-Dollar und stiegen damit um 20,3% gegenüber 2016. Unter den Importgütern Argentiniens stehen 2017 mit knapp 42% Kapitalgüter (Maschinen und Maschinenteile) an der Spitze. Zwischenprodukte für die weiterverarbeitende Industrie machten rund 26% aus, während sich die Konsumgüter auf 13% beziffern. 

Das Außenhandelsdefizit der letzten Jahre (2017:  8,5 Milliarden USD, entspricht rund 1,3% des BIP) dürfte sich 2018 und auch in diesem Jahr verringern, da die Importe angesichts der Rezession und der drastischen Abwertung des Peso stark zurückgegangen sind, während die Exporte leicht zunahmen.

Unter den Abnehmerländern liegt Brasilien mit 16% an erster Stelle, gefolgt von den USA und China mit etwa 7,5% und Chile mit 4,5%. Als Hauptlieferländer dominieren Brasilien mit knapp 27% und China mit 18%, gefolgt von den USA mit 11% und Deutschland mit knapp 5%.

Deutschland bleibt weiter viertwichtigstes Herkunftsland für argentinische Importe und liegt unter den Abnehmerländern für argentinische Exporte auf Rang zwölf. Das bilaterale Handelsvolumen wuchs 2017 um rund 3% auf 4,3 Milliarden Euro. Deutschland wies für 2017 einen Handelsbilanzüberschuss gegenüber Argentinien von knapp 1,7 Milliarden Euro auf.

Haushalts- und Finanzpolitik

Das primäre Haushaltsdefizit ist im Jahre 2018 auf 2,4% des Bruttoinlandsprodukts zurückgegangen (2017: 3,9%). Im Rahmen des vom Internationalen Währungsfonds  bewilligten Stand-by Kredits von rund 57 Milliarden US Dollar, wurde das Ziel einer schwarzen Null für 2019 festgesetzt. 

Der gesamtstaatliche  Bruttoschuldenstand ist seit Amtsübernahme der Regierung Macri von rund 254 Milliarden USD (46% des Bruttoinlandsprodukts)  auf Grund von Neuverschuldungen bis Ende 2017 auf rund 308 Milliarden US Dollar (circa 95% des Bruttoinlandsprodukt) angestiegen. 

Der überwiegende Teil der Staatsverschuldung sind Devisen. Das Gesamthaushaltsdefizit sank im Jahresvergleich von 6% auf 5,2% (2018). Die  Reserven (2017: US Dollar 55 Mrd.) sind 2018 auf über US Dollar 70 Mrd. gestiegen. 

Der Internationale Währungsfonds  konnte im Rahmen des Monitoring im zweiten Semester 2016 bestätigen, dass die Daten des neu strukturierten staatlichen Statistikamtes (INDEC) nun internationalen Standards entsprechen und die Sanktionen aufheben, die wegen der politisch motivierten Manipulationen namentlich bei der Berechnung von Inflations- und Lebenshaltungskosten in der Kirchner-Ära verhängt worden waren. Damit verfügt Argentinien wieder über belastbare Basisdaten. Jedoch wird angeregt, die Basiszahlen des Bruttoinlandsprodukts  (Basisjahr 2004) zu aktualisieren.  

Nach nur wenigen Monaten im Amt erzielte die Regierung Macri eine Einigung mit den sogenannten „holdouts“ in Bezug auf die bislang nicht umgeschuldeten Altschulden privater Gläubiger. Darunter auch die vieler deutschen Gläubiger, deren Anleihen von Banken in sog. Girosammelverwahrung gehalten wurden. Aufgrund eines noch fehlenden Abwicklungsverfahrens (Rückgabe der Anleihen Zug-um-Zug gegen Rückzahlungen) stehen die Zahlungen an diejenigen, die die Anleihen in Form von sog. effektiven Stücken halten, noch aus.

Bilaterale Abkommen: Deutschland und Argentinien streben die Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein modernisiertes Doppelbesteuerungsabkommen sowie ein umfassendes Sozialversicherungsabkommen an.

Energie

Der argentinische Primärenergiebedarf wird gegenwärtig zu 87% von fossilen Trägern gedeckt (53,6% Gas, 32% Erdöl und 1,3% Kohle). Die restlichen 13% werden durch Wasserkraft (4,1%), Atomkraft (2,8%) und erneuerbare Energien (6,3%) erzeugt.  Der Anteil von Erneuerbaren Energien und Gas am Energiemix ist in den letzten Jahren gestiegen, der von Erdöl gesunken.

Argentinien verfügt über große Öl- und Gasvorkommen und möchte in den nächsten Jahren zum Netto-Energieexporteur werden. Der  ambitionierte Energieplan der argentinischen Regierung sieht vor, die Öl- und Gasproduktion in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln, hauptsächlich durch Fracking in Vaca Muerta, Patagonien, eines der größten Schiefergas- und ölvorkommen weltweit (jeweils Platz 2 und 4).

Bei Gas ist man bis auf Weiteres auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen, um die wachsende Nachfrage zu decken. Mit einer besseren Ausbeutung der unkonventionellen Gasvorkommen in Vaca Muerta und dem geplanten Ausbau des Pipelinenetzes in Argentinien will man diese Abhängigkeit allmählich abbauen. Das Defizit in der Energiehandelsbilanz ist im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr bereits um 28% gefallen und betrug 2,3 Mrd. USD (2017: Defizit 3,2 Mrd. US-Dollar, 2016: 2,9 Mrd. US-Dollar), hauptsächlich wegen der steigenden Produktion von unkonventionellem Gas.  

Die Investitionen bei der Erdöl- und Gasförderung beliefen sich 2018 auf 4,9 Mrd. US-Dollar im Vergleich zu 6,6 Mrd. US-Dollar im Vorjahr). Die Produktion von konventionellem Erdöl ging im Jahr 2018 im Jahresvergleich um gut 4% zurück, hingegen wuchs die Schieferölproduktion im Jahresvergleich um 56,6%. Über die nächsten Jahre planen in- und ausländische Ölkonzerne Investitionen in hoher zweistelliger Milliardenhöhe. 

Die Regierung hat auch im Jahr 2018 den Abbau der Subventionen der Energiepreise und Lockerung der Benzinpreisdeckelung fortgesetzt. Die Energiesubventionen sind 2018 real im Vergleich zum Vorjahr um 31% gekürzt worden.

Die Regierung rechnet mit weiter steigender Stromnachfrage. Trotz der Subventionskürzungen und Tarifanpassungen ist der Stromverbrauch im Jahr 2018 um 1,7% gestiegen. Bis 2025 soll er um 26% steigen. Argentinien muss in den nächsten 20 Jahren mindestens 1.500 MW jährlich an zusätzlicher Stromerzeugungskapazität ans Netz bringen, um diese  Stromnachfrage decken zu können. Hinzu kommt die Überalterung des Energieparks. Anlagen von insgesamt 2000 MW sind über 40 Jahre alt, 75% der Energieerzeugungsanlagen haben ihre Lebensdauer überschritten.

Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der Erneuerbaren Energien (EE) am Energiemix von 2% im Jahr 2017 auf 20% im Jahr 2025 auszubauen. In drei Jahren sollen 3.000 MW und bis 2025 insgesamt 10.000 MW aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Diese „Revolution“ im Bereich der EE wird maßgeblich von privaten Investitionen vorangetrieben.

Im Rahmen des im Jahr 2016 aufgelegten EE Programms RenovAr wurden bislang 147 Projekte (4.466 MW) in 18 von 23 Provinzen des Landes vergeben, überwiegend Wind und PV. Die neuen Anlagen decken schon 6% des Jahresstrombedarfs.

Darüber hinaus trat in November 2018 das EE-Einspeisegesetz zur dezentralen Energieversorgung in Kraft. Kurz vor Implementierung treten schon 5 Provinzen dem Gesetz bei. Einen wichtigen Fortschritt erzielte Argentinien durch die Einigung mit der EU auf die zollfreie Einfuhr von Bio-Diesel in die EU (1,2 Mio. t pro Jahr im Wert von rd. 1 Mrd. US-Dollar).

Neben Gas, Öl und erneuerbaren Energien setzt Argentinien weiterhin auch auf Nuklearenergie. Mit China einigte man sich im Mai 2017 grundsätzlich auf den Bau von zwei Kernkraftwerken. China hat eine Gesamtfinanzierung von 12,5 Mrd. US-Dollar für beide Kernkraftwerke angeboten. Die Zukunft dieses Projekts ist allerdings noch offen. Auch mit Indien soll die Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie weiter ausgebaut werden. 

Umwelt- und Klimapolitik

Laut den im Rahmen der COP21/2015 von Argentinien bekanntgegebenen nationalen Zielen zum Klimaschutz sollen die argentinischen Treibhausgasemissionen von 2005 bis 2030 um 15 % gesenkt werden (auf ein für den Zielzeitraum berechnetes Business-as-usual-Szenario). Bei entsprechender internationaler Finanzierung ist Argentinien bereit, das Ziel auf -30 % zu erhöhen. Die Regierung sieht dieses Vorhaben als Minimalziel. Es wurde ein interministerieller nationaler Ausschuss für den Klimaschutz (Comisión Nacional de Cambio Climático) gebildet. Der aus Vertretern des Umwelt-, Bildungs- , Energie und Bergbau-, Sozialen Entwicklungs- und Außenministeriums sowie weiterer Fachgremien bestehende Ausschuss für den Klimaschutz hat die Aufgabe, bis 2019 einen ambitionierten nationalen Plan zur Minderung und Vermeidung der Emissionen aufzustellen. Argentinien unterschrieb im Rahmen der COP23  ein bilaterales Memorandum of Understanding zur Umweltzusammenarbeit, um die Kooperation mit Deutschland systematisch auszubauen. In den Bereichen Biodiversität, Luft- und Artenschutz sowie Umweltverschmutzung durch Schwermetalle besteht in Argentinien noch erheblicher Verbesserungsbedarf, wie zuletzt im Environmental Performance Index (EPI) der Universitäten Yale und Columbia festgestellt wurde.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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