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Wirtschaft

24.03.2017 - Artikel

Stand: März 2018

Wirtschaftsstruktur

Argentinien ist mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von knapp 620 Milliarden US-Dollar (2017) die größte Volkswirtschaft des spanischsprachigen Südamerikas. In Lateinamerika sind lediglich Brasilien und Mexiko wirtschaftlich bedeutender. Argentinien verfügt über eine im Regionalvergleich relativ gut entwickelte Industrie; wichtigste Sektoren sind die Nahrungsmittelindustrie und die Automobilindustrie (u.a. Volkswagen und Daimler), die wesentliche Anteile der Produktion nach Brasilien exportiert.


Die Industrie trägt 16,8% zum BIP bei, es folgen Handel (13,1%), Immobilienwirtschaft (10,3%) und Transport/Kommunikation (8,1%). Der Beitrag der reinen Land- / Forst- / Fischwirtschaft zum BIP liegt bei rund 7%; allerdings wird geschätzt, dass rund 1/3 der Arbeitsplätze direkt oder indirekt (zum Beispiel Transport, Verpackung) im Zusammenhang mit der Agrarindustrie stehen. Auch bei den Exporten dominiert der Anteil der Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel (60%).


Die Außenhandelsquote Argentiniens liegt bei rund 20% des BIP, bei einer Exportquote von etwa 9,5%. 

(Schätzungen für 2017 auf Zahlenbasis argentinisches Statistikamt INDEC)

Bei der Einkommensverteilung liegt Argentinien mit einem Gini-Koeffizienten von rund 42 weltweit weiter im unteren (also ungleicheren) Drittel, ähnlich wie Uruguay, etwas besser als die Nachbarn Brasilien, Chile, Bolivien und Paraguay. Nach Zahlen des in 2016 neu formierten statistischen Bundesamtes (INDEC) liegt  die Arbeitslosenquote bei rund 8% (Anteil des informellen Sektors wird auf über 30% geschätzt) und die Armutsquote bei knapp29%.


Argentinien ist Mitglied wichtiger internationaler Wirtschaftsorganisationen wie WTO (MinisterKonferenz fand im Dezember 2017 in Buenos Aires statt), IWF, Weltbank, G-20 (Vorsitz 2018), sowie auf regionaler Ebene Mercosur und ALADI (Lateinamerikanische Integrationsvereinigung). Eine Mitgliedschaft in der OECD wird angestrebt.

Aktuelle Wirtschaftslage

Mit der Wahl von Maurico Macri zum Präsidenten Argentiniens im November 2015 hat sich die Grundausrichtung der Wirtschaftspolitik grundlegend geändert. Nach 12 Jahren protektionistischer Politik unter Néstor und Cristina Kirchner setzt die neue Regierung auf Liberalisierung und Weltmarktintegration. Der Start der neuen Regierung wurde durch erhebliche Erblasten der vorangegangenen Regierung (steigende Neuverschuldung, abgeschmolzene Devisenreserven, Einbrüche bei Wachstum, Industrieproduktion, Exporten) und ein international wenig hilfreiches Umfeld (tiefe Rezession beim Haupthandelspartner Brasilien, Zinswende in den USA, Wachstumsrückgang in China) erschwert.

Ende 2015/Anfang 2016 hat die Regierung Macri erfolgreich Devisenbeschränkungen gelockert, Importrestriktionen weitgehend außer Kraft gesetzt, Exportsteuern aufgehoben oder abgesenkt (Soja) (), das Wechselkursregime vereinheitlicht und den Kurs des Pesos freigegeben (Abwertung um 40%). Im April 2016 gelang zudem eine Lösung des seit Jahren schwelenden Konflikts mit einer Gruppe von US-amerikanischen Privatgläubigern.


2017 fand Argentinien den Weg aus der Anpassungsrezession, die Wirtschaft wuchs um 2,9%. Nachdem zu Beginn des Jahres fast ausschließlich der Agrarsektor und die Bauwirtschaft (insb. öffentliche Bauten) den Aufschwung bedingten, trugen seit der zweiten Jahreshälfte auch zahlreiche andere Sektoren zur Erholung bei. Für 2018 wird mit einem BIP-Wachstum von rund 3 % gerechnet ;. Zum Hoffnungsträger avanciert der Nachbar und wichtigste Handelspartner Brasilien, für den 2018 ein Wachstum von 2,7% prognostiziert wird, was in Argentinien ein BIP-Wachstum von rd. 1 % induzieren könnte.
Sorge bereitet das Zwillingsdefizit aus Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit.

Die Inflation schloss  2017 auf höherem  Niveau (24,8%) als von der Regierung angestrebt. Ende des Jahres korrigierte die Regierung ihr Inflationsziel für 2018 von 10% (+/-2%) auf 15% nach oben.  . Inzwischen wird im Markt mit einer Inflationsrate von über 20% p.a. gerechnet.

Agrar- und Ernährungswirtschaft

Die Landwirtschaft spielt in Argentinien traditionell eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Entwicklung, namentlich für die Exporte (rd. 60%). Argentinien könnte rd. 400 Millionen Menschen ernähren.  
Dieses Potential will die Regierung  für die wirtschaftliche Wiederbelebung des Landes nutzen. Mit einer Neuausrichtung der Agrarpolitik setzt Staatspräsident Macri auf Marktöffnung und Teilnahme am internationalen Handel. Dafür hob er die Exportquoten für Agrarprodukte auf und schaffte nahezu alle Ausfuhrabgaben auf landwirtschaftliche Erzeugnisse ab. Dies hat im Agrarhandel einen Anstieg der Getreideexporte und in der Landwirtschaft einen Einkommensanstieg bewirkt und damit einen Schub an Investitionen in die Landwirtschaft ausgelöst.


Darüber hinaus legte das Landwirtschaftsministerium Anfang 2017  ein spezielles Programm zur Stärkung der Land- und Ernährungswirtschaft mit einem Umfang von rund 430 Millionen Euro auf, aus dem  Ausfuhrerstattungen in geringem Umfang  (2,6%) sowie einen Agrarinvestitionsfonds und Maßnahmen zur Verbesserung der argentinischen Ernährungswirtschaft finanziert werden.

Ziel der Regierung ist es, Argentiniens Landwirtschaft von einem überwiegenden Rohstofflieferanten hin zu einem Exporteur hochwertiger Nahrungsmittel zu entwickeln. Das Programm soll vor allem in den ländlichen Räumen zusätzliche Einkommen und Arbeitsplätze schaffen. Auf diese Weise soll die Land- und Ernährungswirtschaft einen spürbaren Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung des Landes leisten.

Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat StP Macri im November 2017 den Posten des Agrarministers mit Dr. Luis Miguel Etchevehere neu besetzt, der zuvor Präsident des führenden Agrarverbandes „La Rural“ war.

Argentiniens Landwirtschaft ist außerordentlich exportorientiert. Weltweit rangiert Argentinien als der zehntgrößte Agrarexporteur und ist nach Brasilien zweitgrößter Agrarnettoexporteur Lateinamerikas. Um diese Position zu sichern und noch auszubauen, hat das Landwirtschaftsministerium das Schwerpunktprogramm „Erschließung neuer Absatzmärkte“ aufgelegt.. 

Sojabohne ist Argentiniens wichtigste Anbaukultur. Sie wird auf rd. 60% der Ackerbaufläche angebaut, bei dem das Direktsaatverfahren überwiegt (Daten für2017: ca. 17 Mio. ha, voraussichtliche Erntemenge ca. 49 Mio. Tonnen). Soja ist zudem auch  im Export das bedeutendste Produkt des Landes,  das insbesondere als proteinhaltiges Futtermittel weltweit nachgefragt wird. Argentinien gehört neben Brasilien zu den weltweit wichtigsten Lieferanten von Sojaschrot/mehl und -öl. Soja wird auch zur Biodieselherstellung verwendet.  

Getreidekulturen, vor allem Mais (2017/18: 37 Mio. t) und Weizen (2017/18: 18,5 Mio. t) sind ebenfalls von wirtschaftlich herausragender Bedeutung. Argentinien gehört neben den USA und Brasilien zu den weltweit größten Maisexporteuren. Im Weizenhandel hat Argentinien aufgrund der von der Regierung geschaffenen günstigen Voraussetzungen begonnen, seine unter der Vorgängerregierung verlorenen Marktanteile im Weizenexport wieder zurückzuerobern.  Die Gesamtmenge der Getreide- und Ölsaatenernte beläuft sich in 2017/18 voraussichtlich auf rd. 118 Mio. t. 

Die Rindfleischerzeugung profitiert ebenfalls von der Neuausrichtung der Agrarpolitik. Die Entwicklung der Tierzahlen deutet auf eine Erhöhung der Bestände hin. Die Regierung hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Export des heimischen Rindfleischs mittel- bis langfristig zu verzehnfachen, von derzeit 1,1 Mrd. US-Dollar auf 10,5 Mrd. US-Dollar in 2025. 


Um die Wettbewerbsfähigkeit der argentinischen Landwirtschaft zu verbessern, organisiert das Landwirtschaftsministerium regelmäßig tagende „Runde Tische“, an denen sich Teilnehmer der unterschiedlichen Wertschöpfungsketten versammeln, z.B. Fleisch, Getreide, Obst, Geflügel etc. Ein Ansatz liegt darin, die mehr Transparenz in die Preisgestaltung innerhalb der Wertschöpfungsketten zu bringen. 
Während die vorgenannten Zweige der Landwirtschaft international wettbewerbsfähig sind, gilt dieses für die Milcherzeugung und –verarbeitung sowie die Schweine- und  Geflügelerzeugung derzeit nur eingeschränkt. Hier sind vor allem die hohen Produktoinskosten, aber auch strukturelle Probleme  für die unzureichende Wettbewerbskraft verantwortlich. Dies zu überwinden, erfordert umfangreiche Investitionen. 


Fischereierzeugnisse sowie Obst und Wein  sind ebenfalls in der Erzeugung als auch im Export für das Land von Bedeutung.

Erwähnenswert ist, dass Argentinien sich im Bereich Agrar- und Ernäherungspolitik auch auf internationaler Ebene aktiv einbringt. Es setzt z.B. sich offensiv für das Zustandekommen eines neuen Assoziationsabkommens zwischen Mercosur und der EU ein und hat den Verhandlungen wichtige Impulse verliehen. Landwirtschaftsminister Etchevehere und  Staatssekretärin Marisa Bircher haben an der X. Berliner Agrarministerkonferenz sowie am „Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) 2018 teilgenommen. Dabei bestätigte er das bilaterale Arbeitsprogramm mit neun Schwerpunkten (u.a. Nachhaltige Landwirtschaft, Tierwohl, Bioökonomie, Anbau nicht-gentechnisch veränderter Ackerkulturen), das  zwischen dem deutschen und argentinischen Landwirtschaftsministerium besteht. Darüber hinaus unterzeichnete der Minister eine Absichtserklärung zur wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit im Bereich Bioökonomie mit dem BMEL, BMBF sowie dem argentinischen Forschungsministerium MinCyT. 

Außenhandel

Haupteinnahmequelle für Devisenzuflüsse sind die Agrarexporte. Die einheimische Industrie benötigt viele importierte Rohstoffe, Zwischenprodukte und Kapitalgüter.

2017 exportierte Argentinien Waren im Wert von 58,4 Milliarden US-Dollar und damit 0,9% mehr als im Vorjahr; davon 39% landwirtschaftlichen Ursprungs, 31% industriellen Ursprungs und 25% Rohstoffe. Auf Basis des harmonisierten Systems (HS-Nomenklatur) entfallen auf Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel (-industrie) 2017 rund 60% aller Ausfuhren (in erster Linie Tierfutter, Getreide, Fette und Öle, Ölsaaten und -früchte, Fleisch und Fleischwaren, Getränke). Industriegüterexporte (vor allem Kfz und Chemie; ohne Agrar- bzw. Nahrungsmittelindustrie) machten 2017 ca. 22% der Exporte aus. 

Die Einfuhren für 2017 beliefen sich auf 66,9 Milliarden US-Dollar und stiegen damit um 19,7% gegenüber 2016. Unter den Importgütern Argentiniens stehen 2017 mit knapp 42% Kapitalgüter (Maschinen und Maschinenteile) an der Spitze. Zwischenprodukte für die weiterverarbeitende Industrie machten rund 26% aus, während sich die Konsumgüter auf 13% beziffern. 

2017 ist somit nach 2015 das zweite Jahr im neuen Jahrtausend, in dem Argentinien ein Außenhandelsdefizit verzeichnete (8,5 Milliarden USD) (entspricht rd. 1,3% des BIP).

Unter den Abnehmerländern liegt Brasilien mit 16% an erster Stelle, gefolgt von den USA und China mit etwa 7,5% und Chile mit4,5%. Als Hauptlieferländer dominieren Brasilien mit 27% und China mit 18%, gefolgt von den USA mit 11% und Deutschland mit knapp 5%.


Deutschland rangiert weiter als viertwichtigstes Herkunftsland argentinischer Importe  und liegt unter den Abnehmerländern für argentinische Exporte auf Rang zwölf. Das bilaterale Handelsvolumen wuchs 2017 um rund 3% auf 4,23 Milliarden Euro. Deutschland wies für 2017 einen Handelsbilanzüberschuss gegenüber Argentinien von knapp 1,7 Milliarden Euro auf.

Haushalts- und Finanzpolitik

Das primäre Haushaltsdefizit ist im Jahre 2017  auf 3,9% des BIP zurückgegangen (2016: 4,4%). Für den Haushalt 2018 rechnet die Regierung mit einem Defizit von  3,2% . 

Der gesamtstaatliche  Bruttoschuldenstand ist seit Amtsübernahme der Regierung von rd. USD 254 Mrd.  (46% des BIP)  dank Neuverschuldungen bis Mitte 2017 um 21% auf rd. Mrd. 307 Mrd. (56% des BIP)  angestiegen 
78% der neuen  Staatsanleihen wurde in Devisen ausgegeben.   Aufgrund des hohen  Schuldendienstes ist das Gesamthaushaltsdefizit  im Jahresvergleich  von 5,9% auf 6,1% gestiegen. Die  Reserven (2016: USD 40 Mrd.) sind  per Dezember 2017 auf über USD 55 Mrd. gestiegen.


Der IWF konnte im Rahmen des Monitoring im zweiten Semester 2016 bestätigen, dass die Daten des neustrukturierten staatlichen Statistikamtes (INDEC) nun internationalen Standards entsprechen und die Sanktionen aufheben, die wegen der politisch motivierten Manipulationen namentlich bei der Berechnung von Inflations- und Lebenshaltungskosten in der Kirchner-Ära verhängt worden waren. Damit verfügt Argentinien wieder über belastbare Basisdaten. Jedoch wird angeregt, die Basiszahlen des BIP (Basisjahr 2004) zu aktualisieren.  

Pariser Club: Argentinien hat seit dem Abschluss der Schuldenregelung mit den öffentlichen Gläubigern im Jahr 2014 die vereinbarten Minimal-Verpflichtungen eingehalten; so wurde auch der Mindesttilgungsbetrag für Deutschland per 30.05.2017 pünktlich bedient. 

Nach nur wenigen Monaten im Amt erzielte die Regierung Macri eine Einigung mit den sogenannten "holdouts" in Bezug auf die bislang nicht umgeschuldeten Altschulden privater Gläubiger. Darunter auch die vieler deutschen Gläubiger, deren Anleihen von Banken in sog. Girosammelverwahrung gehalten wurden. Aufgrund eines noch fehlenden Abwicklungsverfahrens (Rückgabe der Anleihen Zug-um-Zug gegen Rückzahlungen) stehen die Zahlungen an diejenigen, die die Anleihen in Form von sog. effektiven Stücken halten, noch aus.

Bilaterale Abkommen: Deutschland und Argentinien streben die Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein modernisiertes Doppelbesteuerungsabkommen sowie ein umfassendes Sozialversicherungsabkommen an.

Energie

Der argentinische Primärenergiebedarf wird gegenwärtig zu 87% von fossilen Trägern gedeckt (55% Gas, 32% Erdöl).  Trotz vielversprechender heimischer Energierohstoffvorkommen – vor allem bei Schiefergas und -öl (hier nimmt Argentinien Platz 2 und 4 der weltweiten Vorkommen ein),    ist das Land weiterhin auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen, um die wachsende Nachfrage zu decken.   

Die Investitionen bei der Erdöl- und gasförderung  sind in 2017 nur gering gestiegen ( USD 6,6 Mrd USD).  Die Erdölproduktion per Oktober 2017 ging im Jahresvergleich um 7,2% zurück, die Gasförderung ist im selben Zeitraum um 0,9% gesunken.  Für 2018 haben In- und ausländische Ölkonzerne neue Investitionen von 45 Milliarden USD$ angekündigt.


Das Defizit in der Energiehandelsbilanz ist auch 2017 weiter gestiegen per November 2017 auf rd.  USD 3,1 Mrd. (USD 2,9 Mrd. in 2016), namentlich wegen steigender Nachfrage nach Gasimporten.  
Aufgrund der Subventionskürzungen und  Tarifanpassungen ist der Stromverbrauch im Jahr 2017 erstmalig    um 0,5% im Jahresvergleich gesunken auf 108.827 GWh (davon 45% für private Haushalte, 29% Handel und 27% Industrie). . Die gesamte installierte Leistung beträgt derzeitig 36.725 MW (2016: 35.775MW). Auf Grund der verringerten Leistungskapazität stehen davon nur rd. 70 %zur Verfügung. 
Der Energiemix setzt sich 2017 aus 63,85% Wärmekraft (fossile Treibstoffe, davon 80% Erdgas); 29,32% Wasserkraft; 4,78% Nuklearenergie und 2,05% erneuerbare Energien (insg. 753 MW, davon 8 MW Solar, 227 MW Wind, 496 MW kl. Wasserkraftwerke und 22 MW Biogas) zusammen. Knapp 1%  des Strombedarfs wird importiert.
Die Regierung hat im Laufe des Jahres 2017 den Abbau der Subvention der Energiepreise und Lockerung der Benzinpreisdeckelung fortgesetzt  und weitere Subventionskürzungen für 2018 angekündigt.  Die Energiesubventionen sind per Ende 2017 real um 35 % gekürzt worden und machen derzeitig 41% der Gesamtsubventionen aus i.V. (2016: 72,5%).

Die Regierung rechnet mit weiter steigender Stromnachfrage . Bis 2025 soll sie um 26%steigen.  Argentinien muss in den nächsten 20 Jahren mindestens 1.500 MW jährlich an zusätzlicher Stromerzeugungskapazität ans Netz bringen, um diese  Stromnachfrage decken zu können.  Hinzu kommt die Überalterung des  Energieparks.  Anlagen von  insg. 2000 MW sind über 40 Jahre alt, 75% der Energieerzeugungsanlagen haben ihre Lebensdauer überschritten.
Im Jahre 2016 vergab  die Regierung  21 Aufträge für thermische Stromerzeugung über insg. 2.871 MW, u.a. ein Auftrag an Stoneway Energy, die mit Siemens in der Provinz Buenos Aires im 2018 vier Wärmekraftwerke an das Netz bringen wird. In 2017 wurden  weitere Lizenzen für neue Blockheizkraftwerke sowie  Ausbauprojekte von Anlagen auf Gas- und Dampfkraftwerken über insg. 1.800 MW vergeben. Von diesen zahlreichen Lizenzen für konventionelle Kraftwerke sollen per Februar 2018 rd. 3.000 MW ans Netz gehen.
Die Regierung hat sich auch zum Ziel gesetzt,, mit privaten Investitionen den Anteil der Erneuerbaren Energien am Energiemix auszubauen.  Lag der Anteil der EE in 2017 noch bei  2%, sollen in 2019 bereits 12% und 2025 schließlich 20% erreicht werden. In drei Jahren sollen 3.000 MW und bis 2025 insgesamt 10.000MW aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. 

Im Rahmen des im 2016 aufgelegten EE Programm RenovAr wurden bislang 147 Projekte (4.466 MW) in 18 von 23 Provinzen des Landes vergeben; überwiegend Wind und PV. Die neuen Anlagen werden mit rd. 8,3 TWh/Jahr den Jahresstrombedarf 2018 zu 5,7% decken können. Eine neue Ausschreibungsrunde RenovAr ist für September 2018 vorgesehen. 

Darüber hinaus trat Ende 2017 ein  EE-Einspeisegesetz zur dezentralen Energieversorgung  in Kraft.
Unabhängig davon setzt Argentinien weiterhin auf Nuklearenergie. Nach der Einigung mit China zum Bau zwei neuer KKWs am 17.05.2017 soll der Der Bau der ersten chinesischen Nuklearanlage Atucha III in Lima (USD 6 Mrd., CANDU-Reaktor mit Schwerwasser) 2017/2018 erfolgen, die zweite (Druckwasserreaktor, chinesische Technologie mit angereichertem Uran und Leichtwasser, USD 8 Mrd.) in Patagonienin den Jahren 2019/2020. China bietet eine Gesamtfinanzierung von USD 12,5 Mrd.) für beide KKWs an. Das im Juli 2014 eingeweihte KKW Atucha II wurde Mitte März bis Anfang  August 2017 für Wartungsarbeiten stillgelegt. 

Umwelt- und Klimapolitik

Laut den im Rahmen der COP21/2015 von Argentinien bekanntgegebenen nationalen Zielen zum Klimaschutz sollen die argentinischen Treibhausgasemissionen von 2005 bis 2030 um 15% gesenkt werden (auf ein für den Zielzeitraum berechnetes Business-as-usual-Szenario). Bei entsprechender internationaler Finanzierung ist Argentinien bereit, das Ziel auf -30% zu erhöhen. Die Regierung sieht dieses Vorhaben als Minimalziel. Es wurde ein interministerieller nationaler Ausschuss für den Klimaschutz (Comisión Nacional de Cambio Climático) gebildet. Der aus Vertretern des Umwelt-, Bildungs- , Energie und Bergbau-, Sozialen Entwicklungs- und Außenministeriums sowie weiterer Fachgremien gegründete Ausschuss für den Klimaschutz hat sich zur Aufgabe gestellt, bis 2019 einen ambitionierten nationalen Plan zur Minderung und Vermeidung der Emissionen aufzustellen. Umweltminister Bergman unterschrieb im Rahmen der COP23  ein bilaterales Memorandum of Understanding zur Umweltzusammenarbeit, um die Kooperation mit Deutschland systematisch auszubauen.  

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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