Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Agrar- und Ernährungswirtschaft

09.05.2018 - Artikel

Die Landwirtschaft spielt in Argentinien traditionell eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Entwicklung. Rund 60 Prozent der gesamten Ausfuhren des Landes werden in der Landwirtschaft erzeugt.

Rinder werden von Gauchos zur Impfung getrieben
Rinder werden von Gauchos zur Impfung getrieben© Ingrid Bargmann

Dieses Potential will die Regierung für die wirtschaftliche Wiederbelebung des Landes nutzen. Mit einer Neuausrichtung der Agrarpolitik setzt StP Macri auf Marktöffnung und Teilnahme am internationalen Handel. Dafür hob er die Exportquoten für Agrarprodukte auf und schaffte nahezu alle Ausfuhrabgaben auf landwirtschaftliche Erzeugnisse ab. Dies hat im Agrarhandel einen Anstieg der Getreideexporte und in der Landwirtschaft einen Einkommensanstieg bewirkt sowie einen Schub an Investitionen in die Landwirtschaft ausgelöst.

Darüber hinaus legte das Landwirtschaftsministerium Anfang 2017 ein spezielles Programm zur Stärkung der Land- und Ernährungswirtschaft mit einem Umfang von rund 430 Millionen Euro auf, aus dem Ausfuhrerstattungen in geringem Umfang (2-6%) sowie einen Agrarinvestitionsfonds und Maßnahmen zur Verbesserung der argentinischen Ernährungswirtschaft finanziert werden.

Ziel der Regierung ist es, Argentiniens Landwirtschaft von einem überwiegenden Rohstofflieferanten hin zu einem Exporteur hochwertiger Nahrungsmittel zu entwickeln. Das Programm soll vor allem in den ländlichen Räumen zusätzliche Einkommen und Arbeitsplätze schaffen. Auf diese Weise soll die Land- und Ernährungswirtschaft einen spürbaren Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung des Landes leisten.

Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat StP Macri im November 2017 den Posten des Agrarministers mit Dr. Luis Miguel Etchevehere neu besetzt.

Argentiniens Landwirtschaft ist außerordentlich exportorientiert. Weltweit rangiert Argentinien als zehntgrößter Agrarexporteur und ist nach Brasilien zweitgrößter Agrarnettoexporteur Lateinamerikas. Um diese Position zu sichern und noch auszubauen, hat das Landwirtschaftsministerium das Schwerpunktprogramm „Erschließung neuer Absatzmärkte“ aufgelegt. Verbesserung der Exportmöglichkeiten steht zudem bei nahezu jeder Auslandsreise argentinischer Regierungsvertreter oder Begegnung mit ausländischen Gästen in Argentinien auf der Tagesordnung.

Sojabohne ist Argentiniens wichtigste Anbaukultur. Sie wird auf rd. 60% der Ackerbaufläche angebaut, bei dem das Direktsaatverfahren überwiegt. Soja ist zudem auch im Export das bedeutendste Produkt des Landes, das insbesondere als proteinhaltiges Futtermittel weltweit nachgefragt wird. Argentinien gehört neben Brasilien zu den weltweit wichtigsten Lieferanten von Sojaschrot/mehl und -öl. Soja wird auch zur Biodieselherstellung verwendet. 

Getreidekulturen, vor allem Mais und Weizen sind ebenfalls von wirtschaftlich herausragender Bedeutung. Argentinien gehört neben den USA und Brasilien zu den weltweit größten Maisexporteuren. Im Weizenhandel hat Argentinien aufgrund der von der Regierung geschaffenen günstigen Voraussetzungen begonnen, seine unter der Vorgängerregierung verlorenen Marktanteile im Weizenexport wieder zurückzuerobern.

Die Rindfleischerzeugung profitiert ebenfalls von der Neuausrichtung der Agrarpolitik. Die Entwicklung der Tierzahlen deutet auf eine Erhöhung der Bestände. Die Regierung hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Export des heimischen Rindfleischs mittel- bis langfristig zu verzehnfachen, von derzeit 1,1 Mrd. US-Dollar auf 10,5 Mrd. US-Dollar in 2025.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der argentinischen Landwirtschaft zu verbessern, organisiert das Landwirtschaftsministerium regelmäßig tagende „Runde Tische“, an denen sich Teilnehmer der unterschiedlichen Wertschöpfungsketten versammeln, z.B. Fleisch, Getreide, Obst, Geflügel etc. Ein Ansatz liegt darin, die mehr Transparenz in die Preisgestaltung innerhalb der Wertschöpfungsketten zu bringen.

Während die vorgenannten Zweige der Landwirtschaft international wettbewerbsfähig sind, gilt dieses für die Milcherzeugung und –verarbeitung sowie die Schweine- und Geflügelerzeugung derzeit nur eingeschränkt. Hier sind vor allem die hohen Produktionskosten, aber auch strukturelle Probleme für die unzureichende Wettbewerbskraft verantwortlich. Dies zu überwinden, erfordert umfangreiche Investitionen.

Fischereierzeugnisse sowie Obst und Wein sind ebenfalls in der Erzeugung als auch im Export für das Land von Bedeutung.

Erwähnenswert ist, dass Argentinien sich im Bereich der Agrar- und Ernährungspolitik auch auf internationaler Ebene aktiv einbringt. Es setzt z.B. sich offensiv für das Zustandekommen eines neuen Assoziationsabkommens zwischen Mercosur und der EU ein und hat den Verhandlungen wichtige Impulse verliehen. Landwirtschaftsminister Etchvehere und Staatssekretärin Marisa Bircher haben an der X. Berliner Agrarministerkonferenz sowie am „Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) 2018“ teilgenommen. Dabei bestätigte er das bilaterale Arbeitsprogramm mit neun Schwerpunkten (u.a. Nachhaltige Landwirtschaft, Tierwohl, Bioökonomie, Anbau nicht-gentechnisch veränderter Ackerkulturen), das zwischen dem deutschen und argentinischen Landwirtschaftsministerium besteht. Darüber hinaus unterzeichnete der Minister eine Absichtserklärung zur wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit im Bereich Bioökonomie mit dem BMEL, BMBF sowie dem argentinischen Forschungsministerium MinCyT.